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Leben mit Neurodermitis: Kratzen

Leben mit Neurodermitis: Kratzen

WARNUNG! WARNUNG! Die Beschreibung könnte für dich eklig sein! Du wurdest gewarnt!

Eins der schlimmsten Nachteile, wenn man mit dem Neuro unterwegs ist, ist das Jucken, worauf höchstwahrscheinlich das Kratzen folgt.

Warum Juckreiz? Da die Schutzbarriere der Haut bei Neurodermitis gestört ist, trocknet diese schnell aus und begünstigt den Wachstum von Bakterien und Pilzen. Daher kommt es unweigerlich zu einem Juckreiz, der seinesgleichen sucht. Es juckt. Und juckt. Und juckt. Und hört einfach nicht auf, bis man mit der vollen Kraft, die man in seinen Händen hat, die vermaledeite juckende Stelle kratzt. Aber sowas von. So dolle kratzt, bis die Haut tatsächlich weg ist und Blut hervortritt. Dann erst ist es gut.

So erlebte ich es die Hälfte meines Lebens. Wenn ich dann auch noch Strumpfhosen anhatte (oh ja, nicht die guten neurodermitisfreundlichen aus Baumwolle, sondern die Schicken aus Polyester oder wie die ganzen anderen Plastikstoffe heißen, die darin enthalten sind und die die Haut nicht atmen lassen), dann kratzte ich einfach durch den Stoff, fühlte Erleichterung…aber auch die Nässe durch das hervortretende Blut. Also hatte ich eine schicke Strumpfhose mit weniger schicken Blutflecken an den Kniekehlen. Wenn ich gerade unterwegs war, dann versuchte ich die Flecken mit Wasser wegzubekommen, aber dann hatte ich Wasserflecken an den Kniekehlen. Auch nicht sonderlich toll.

Was auch übrigbleibt vom Kratzen war die abgekratzte Haut. Ja, lecker, magst du denken. Tja, aber so war es. Wenn ich so doll gekratzt hatte, war die Haut an der Stelle weg und klebte dann mit dem Wundsekret und Blut manchmal an der Strumpfhose fest. So musste ich dann, wenn ich mich zuhause umzog, die Stelle ganz vorsichtig abziehen und riss natürlich die frische Wunde wieder auf. So ein Scheiß!

Was ich besonders mochte, war es, den Schorf wieder abzuknibbeln. Was ich noch lieber mochte, war es, die trockene, schuppige Stelle abzukratzen. Es hatte irgendwie etwas absolut befriedigendes, wenn ich die Schuppen abkratzen konnte und die Stelle wieder glatt war. Dabei bildeten sich so einige Schuppenhäufchen, die ich dann entsorgen musste. Jetzt finde ich es echt ekelhaft. Damals war das Normal für mich. Aber ich schämte mich.

Meine Mama sagte immer, ich solle die juckende Stelle mit der flachen Hand hauen statt sie zu kratzen. Tja, Mama hatte kein Neurodermitis. Versucht habe ich es, aber nur Kratzen hat (wenn auch nur kurzfristig) etwas gebracht.

Tipps:

Wenn du Neurodermitis und übel mit Juckreiz zu kämpfen hast, dann habe ich einige Tipps für dich:

1. Meist kommt es überhaupt erst zum Juckreiz, wenn deine Haut nicht genügend mit Feuchtigkeit versorgt ist. Daher benötigst du eine gute Basispflege. Ich habe damals viel mit Panthenol und Urea gecremt. Auch heute ohne Juckreiz nutze ich eine Creme mit 5%Ureaanteil und bin gut versorgt. Welche Creme für dich in Betracht kommt, sprichst du am Besten mit einem guten Arzt ab, da jede Haut anders ist.

2. Bei sehr starkem Juckreiz helfen andere Reize. Z.B. die Stelle zu kühlen oder sich abzulenken. Das klappt nicht immer, aber ausprobieren kann man es 🙂

3. Wenn der Juckreiz überhaupt nicht aufhören möchte, dann war meine go-to Methode das Salzbad; und zwar hatte (und habe es für den Notfall immer noch) ich immer Salz vom Toten Meer zuhause (das gibt es in der Apotheke, mittlerweile aber auch in gut sortierten Supermärkten oder Drogerien). Also Wanne nicht ganz volllaufen lassen, Salz hineingeben und etwa 15Minuten lang entspannen. Achtung! Offene Wunden werden anfangs brennen. Wenn es geht, einfach aushalten, versuchen zu entspannen und nach dem Bad gut abspülen. Eincremen nicht vergessen und ausruhen!

4. Sollte dein Juckreiz so schlimm sein, dass deine Haut nur noch aus Wunden besteht, dann such unbedingt einen Arzt auf. Im schlimmsten Fall muss z.B. Cortison dran.

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